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Geschichte der AsF

1863

„Geburtsstunde“ der deutschen Sozialdemokratie

1871

Der § 218 wird in das Strafgesetzbuch aufgenommen

1879

August Bebel veröffentlicht das Buch „Die Frau und der Sozialismus“

20. Oktober 1891

Beschluss der SPD im Erfurter Grundsatzprogramm: Forderung nach Frauenwahlrecht und nach der rechtlichen Gleichstellung der Frau

Rosa Luxemburg

Während des Kongresses der II. Internationale in Amsterdam 1904 "droht" August Bebel Rosa Luxemburg mit dem Finger.

Bebels im Grunde freundschaftlich-wohlwollende Einstellung zu Rosa Luxemburg wird in den folgenden Jahren während der verschiedenen Auseinandersetzungen über Strategie und Taktik der Partei (u.a. über den Massenstreik) zunehmend kritischer. Dennoch schreibt Bebel an Victor Adler: "Die Rosarei ist nicht so schlimm, wie Du denkst. Trotz aller Giftmischerei möchte ich das Frauenzimmer in der Partei nicht missen. In der Parteischule wird sie als die beste Lehrerin von Radikalen, Revisionisten und Gewerkschaftlern verehrt. Dort ist sie die Objektivität in höchster Potenz."

1908

Nach Abschaffung des Reichsvereinsgesetzes, das Frauen die Mitarbeit in Parteien untersagte, beschloss die SPD, dass Frauen entsprechend ihrem Mitgliederanteil im Vorstand vertreten sein sollten. Sanktionen waren allerdings nicht vorgesehen. Luise Zietz wurde in den Parteivorstand der SPD gewählt

19. März 1911

findet der erste Internationale Frauentag in Dänemark, Deutschland, Österreich, der Schweiz und den USA statt. Anlass für dieses Datum ist, dass die Arbeiterbewegung an diesem Tag stets der Gefallenen der März-Revolution von 1848 gedenkt. In Erinnerung an die Streiks der New Yorker Textilarbeiterinnen (1857 und 1908) einigt man sich im Jahre 1914 erstmals auf den 8. März. Das politische Ziel des ersten Internationalen Frauentages 1911 ist die Einführung des allgemeinen Wahlrechts auch für Frauen. An diesem Tag beteiligen sich 45.000 Frauen.

Clara Zetkin schreibt in der "Gleichheit" über den Frauentag: "Sein Ziel ist Frauenrecht als Menschenrecht, als Recht der Persönlichkeit, losgelöst von jedem sozialen Besitztitel. [...] Wir müssen Sorge tragen, daß der Frauentag nicht nur eine glänzende Demonstration für die politische Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts, sondern darüber hinaus der Ausdruck einer Rebellion gegen den Kapitalismus, eine leidenschaftliche Kampfansage all den reaktionären Maßnahmen der Besitzenden und ihrer willfährigen Dienerschaft, der Regierung ist."

Frauenwahlrecht

Frauenwahlrecht. Zeitung herausgegeben zum Vierten Sozialdemokratischen Frauentag von Klara Zetkin, 8. März 1914 © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

Demonstration zum Internationalen Frauentag

in Berlin © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

12. November 1918

Frauen erhalten durch Erlass des Rates der Volksbeauftragten auf Initiative der SPD das aktive und passive Wahlrecht.

19. Januar 1919

Zum ersten Mal dürfen Frauen in Deutschland bei der Wahl zur Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung wählen; der Frauenanteil in der Nationalversammlung beträgt 8,7 Prozent (unter 37 weiblichen Abgeordneten waren 19 Sozialdemokratinnen); innerhalb der SPD-Fraktion liegt er etwas höher bei 11,5 Prozent

19. Februar 1919

Marie Juchacz hält die erste Parlamentsrede einer Frau in Deutschland. Sie wird auch Parteivorstandsmitglied der SPD für Frauenfragen. Sie leitete von 1917 bis 1933 das „Frauenbüro“ der Partei. Im Dezember 1919 gründet sie die Arbeiterwohlfahrt.

1919

Marie Juchacz hält die erste Parlamentsrede einer Frau in Deutschland. Sie wird auch Parteivorstandsmitglied der SPD für Frauenfragen. Sie leitete von 1917 bis 1933 das „Frauenbüro“ der Partei. Im Dezember 1919 gründet sie die Arbeiterwohlfahrt.

7./8. Januar 1922

In Leipzig findet die Reichsfrauenkonferenz der USPD mit 126 Delegierten statt. Auf der Tagesordnung steht u.a. die Jugendfürsorge und Wohlfahrtsgesetzgebung (Mathilde Wurm); die Tätigkeit der Frauen in den Parlamenten (Anna Nemitz). Über »Die Kämpferin«, die eine Auflage von 38.500 hat, wird lange diskutiert.

1921

Auf dem Görlitzer Parteitag der SPD erhebt die SPD die Abschaffung aller gesetzlichen Benachteiligungen von Frauen zum Programm; im Reichstag engagiert sich die SPD für ein modernes Eherecht.

1926

Die Strafandrohung von fünf Jahren Zuchthaus für die Frau und den Helfer bei einem Schwangerschaftsabbruch wird gemildert. Das „Vergehen“ wird jedoch grundsätzlich mit Gefängnisstrafe geahndet.

Demonstration gegen den § 218 in Berlin, 1925

© AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

1932 - 1933

1932 gehören dem Reichstag nur noch 6,2 Prozent weibliche Abgeordnete an.

1933 Mit dem Beginn der nationalsozialistischen Diktatur ist das Ende jeder emanzipatorischen Bewegung in Deutschland verbunden, auch der Frauenbewegung. Ein Teil der Frauenvereine wird in der NS-Frauenschaft gleichgeschaltet. Die in der sozialistischen Frauenbewegung aktiven Frauen gehen in den Untergrund und ins Exil, unter ihnen Herta Gotthelf und die ehemalige Reichstagsabgeordnete Mathilde Wurm, die nach Großbritannien gehen, und Marie Juchacz, die in Frankreich und den USA die Zeit des Nationalsozialismus verbringt. Toni Sender, seit 1910 Mitglied der SPD und seit 1920 Reichstagsabgeordnete, flüchtet schließlich in die USA, sie gehört zu den SPD-Mitgliedern, die den Pariser Aufruf des Lutetia-Ausschusses, eines Komitees zur Vorbereitung der deutschen Volksfront, unterzeichneten. Sie stirbt 1964 in den USA.

1946

1946 1. Frauenkonferenz der Nachkriegs-SPD in Frankfurt am Main

1946 Louise Schröder (1887-1957) wird Bürgermeisterin von Berlin

1946 Paula Karpinski, Mitglied der SPD seit 1913, wird als Hamburger Senatorin für Jugend und Sport die erste weibliche Senatorin im Nachkriegsdeutschland

1948

1. September 1948 Dem Parlamentarischen Rat gehören 65 stimmberechtigte Mitglieder an, die im August 1948 von den Länderparlamenten gewählt worden waren, darunter sind vier Frauen: Frieda Nadig (SPD), Elisabeth Selbert (SPD), Helene Weber (CDU) und Helene Wessel (Zentrum)

© AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

Die "Mütter des Grundgesetzes", (v.l.n.r.) Friederike Nadig, Elisabeth Selbert, Helene Weber und Helene Wessel

1949

23. Mai 1949 Der Parlamentarische Rat beschließt das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland. Dank des massiven Engagements von Elisabeth Selbert wird der Artikel 3, Absatz 2 in das Grundgesetz aufgenommen „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“.

Obwohl das Grundgesetz am 23. Mai 1949 in Kraft trat, dauerte es noch neun Jahre, bis die Gleichberechtigung von Mann und Frau in Bürgerliches Recht umgesetzt wurde.

14. August 1949 Erste Bundestagswahl, die SPD gewinnt 136 Sitze, der Frauenanteil in der SPD-Fraktion beträgt 9,5 Prozent

1955 - 1958

1955 Das Bundesverfassungsgericht erklärt „Frauenlöhne“ für verfassungswidrig

1958 Am 3. Mai 1957, verabschiedete der Bundestag das Gleichberechtigungsgesetz. 1958 trat es in Kraft und stärkte die Rolle der Ehefrauen. So wurde die Zugewinngemeinschaft der Güterstand im Bürgerlichen Gesetzbuch, die Vorrechte der Väter in Erziehungsfragen wurden zwar nicht gänzlich aufgehoben aber doch eingeschränkt und die Frauen konnten ihre Arbeitsverhältnisse auch gegen den Willen der Ehemännerbestehen lassen. Frauen waren nun berechtigt, erwerbstätig zu sein, doch nur soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie zu vereinbaren war. Diese Einschränkung wurde erst 1977 aufgehoben. In der damaligen hitzigen Plenardebatte brachte der SPD-Abgeordnete Karl Wittrock mit Blick auf das Beharren der Union auf dem "Letztentscheid des Mannes" das vorherrschende patriarchalische Denken treffend auf den Punkt: "Hier soll also durch den Gesetzgeber ein Recht für den Mann ausschließlich deshalb geschaffen werden, weil es sich um den Mann handelt!"

"Das Reich der Frau" 1957

Eine Hausfrau bügelt auf der Ausstellung "Das Reich der Frau" in Neukölln, 1957 © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

1962 - 1968

1962 / 1963 heißt es im SPD-Jahrbuch „Im Rahmen der Politik der SPD gibt es keine eigene Frauenpolitik“. Der Internationale Frauentag als politisches Datum verliert an Bedeutung.

1966 Käte Strobel wird erste sozialdemokratische Bundesministerin für Gesundheit in der Großen Koalition

1968 Die Studentenbewegung Ende der 60er Jahre förderte eine neue Frauenbewegung zu Tage. Während die männlichen Studenten die Selbstbestimmung und Emanzipation der Arbeiterklasse im Sozialismus diskutierten, nahmen sie ihre Kommilitoninnen zumeist als Dienstleister wahr, die Kaffee kochten, Manuskripte abtippten und die Kinder versorgten. Die Forderung der Studentinnen nach Gleichberechtigung wurden dabei häufig als unpolitisch abgetan. Im Zuge dieser Auseinandersetzung entstanden innerhalb der Studentenbewegung Weiberräte an den Universitäten, in denen sich die Studentinnen unter Ausschluss ihrer männlichen Kommilitonen zusammenschlossen.

Eine Frau verteilt auf Berliner Kurfürstendamm

nach dem Attentat auf Rudi Dutschke Flugschriften, 1968 © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

1960

Sozialliberale Bundesregierung unter Bundeskanzler Willy Brandt; Käte Strobel wird Bundesministerin für Gesundheit, Jugend und Familie

August 1969 Gesetz über die rechtliche Stellung der nichtehelichen Kinder wird beschlossen. Von Geburt an steht der Mutter die volle elterliche Sorge zu, der Unterhaltsanspruch gegenüber dem Vater wird verbessert, das Kind wird gegenüber dem Vater erbrechtlich dem ehelichen Kind gleichgestellt

1971

Gründung des „Arbeitskreises Emanzipation (AKE)“ beim Bundesvorstand der Jusos auf Beschluss der Juso-Bundeskonferenz in Bremen, dem u.a. Inge Wettig-Danielmeier und Karin Junker, später z.B. auch Monika Wulf-Matthies angehören

1972

24. Juni 1972 Der SPD-Parteivorstand beschließt die „Richtlinien der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen“, mit denen sich die SPD-Frauen eine moderne Organisationsform geben wollen.

19. November 1972 Bundestagswahl; dem Bundestag gehören 5,8 Prozent Frauen an, in der SPD-Fraktion liegt der Frauenanteil noch geringfügig niedriger mit 5,4 Prozent

13. Dezember 1972 Mit Annemarie Renger wird erstmals eine Frau zur Präsidentin des Deutschen Bundestages gewählt

Dezember 1972 Katharina Focke wird Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit

1973

23. bis 25. März 1973 1. Bundeskonferenz der ASF in Ludwigshafen auf Grundlage der neuen Richtlinien, Motto „Benachteiligungen überwinden“, Elfriede Eilers wird zur Vorsitzenden gewählt

1974

Mai 1974 Helmut Schmidt wird Bundeskanzler der sozialliberalen Koalition

1974 Heidemarie Wieczorek-Zeul wird als erste Frau Bundesvorsitzende der Jungsozialisten in der SPD (bis 1977), deren Vorstände bis dahin rein männlich zusammengesetzt waren.

1974 Der Bundestag beschließt auf Antrag der SPD die Neuformulierung des § 218 StGB in Form einer Fristenregelung, die das Bundesverfassungsgericht auf Antrag CDU-regierter Bundesländer im Februar 1975 verwirft.

30. November bis 1. Dezember 1974 Familienpolitische Konferenz der ASF in Bremen-Vegesack. Eine familienpolitische Kommission der ASF erarbeitet familienpolitische Vorstellungen, die eingehend in den ASF-Gliederungen diskutiert und zu denen Anträge an die familienpolitische Konferenz der ASF gerichtet werden. Die Ergebnisse dieser Konferenz finden zu einem erheblichen Teil Eingang in das familienpolitische Programm der Partei.

1975

1975 Der Internationale Frauentag wird von der ASF neu entdeckt. In Dortmund findet eine Grußveranstaltung mit mehr als 10.000 Teilnehmerinnen statt unter dem Motto „Frauen wollen freier werden“.

1975 „Internationales Jahr der Frau“ von der UNO ausgerufen unter dem Motto „Gleichheit, Entwicklung und Frieden“; die deutsche Delegation bringt unter Leitung von Katharina Focke u.a. den Gedanken ein, ein Netz von Interessenvertretungen für Frauen auf allen politischen Ebenen zu schaffen, was später von der Europäischen Gemeinschaft positiv als Empfehlung für die Mitgliedsländer aufgegriffen wird und die Grundlage für die Gründung kommunaler Gleichstellungsstellen bildet.

26. Februar 1975 Großkundgebung von ASF und Jusos zum §218 in Bonn mit mehr als 5000 TeilnehmerInnen

Mai 1975 Bundeskonferenz der ASF in Braunschweig mit kontroversen Diskussionen über das Leitbild der berufstätigen Frau

31. Dezember 1975 Erstmals seit 1931 gehören der SPD wieder mehr als 200.000 weibliche Mitglieder an

1976

Juli 1976 Nach der Reform des Namensrechtes kann u.a. bei Eheschließung auf Wunsch der Name der Frau als gemeinsamer Familienname gewählt werden.

21. Juli 1976 Eine geänderte Fassung des § 218, die Indikationenregelung, tritt in Kraft. Sie wird von der ASF in Kauf genommen, aber nie wirklich akzeptiert.

November 1976 Antje Huber wird Bundesministerin für Jugend, Familie und Gesundheit

Dezember 1976 Marie Schlei wird als erste Frau Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

1977

Juni 1977 Auf der ASF-Bundeskonferenz in Siegen „Recht auf Arbeit – Frauen in die Politik“ fordert die ASF u.a. die Abschaffung des Ehegattensplittings, den 6-Stunden-Tag sowie die Quotierung für Ausbildungsplätze und bei Stellenbesetzungen in der Wirtschaft; eine Quotierung von Parteiämtern und Mandaten entsprechend dem Mitgliederanteil von Frauen wurde mit knapper Mehrheit abgelehnt.
Elfriede Hoffmann wird zur neuen Bundesvorsitzenden der ASF gewählt.

1977 Reform des Ehe- und Familienrechts, u.a. wird das Schuldprinzip durch das Zerrüttungsprinzip abgelöst, der Versorgungsausgleich wird eingeführt; ebenso wird das Leitbild der Hausfrauenehe abgelöst durch die Betonung gemeinsamer Verantwortlichkeit beider Partner für Haushaltsführung und Erwerbstätigkeit.

1978

1978 Karin Junker u.a. erarbeiten für die Jusos ein Schulungsprogramm zur „Behandlung der Frauenfrage in der SPD“

1978 Die Sozialistische Fraueninternationale beschließt in Vancouver, den Internationalen Frauentag weltweit wieder als Kampftag für Frauenrechte und Frieden zu begehen. Die ASF greift dies auf und fordert den SPD-Parteivorstand 1979 auf, in Anlehnung an die Tradition vor dem Ersten Weltkrieg künftig wieder den Internationalen Frauentag durchzuführen.

1979

1979 Eva Rühmkorf wird in Hamburg erste Gleichstellungsbeauftragte in der Bundesrepublik

1979 Die Leitung des „Arbeitsstabes Frauenpolitik“ im Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit wird mit Marlies Kutsch besetzt

18. bis 20. Mai 1979 Bundeskonferenz der ASF in Erlangen
„Frauen für Europa – Frauen für den Frieden“. Die Konferenz steht ganz im Zeichen der ersten Direktwahl zum Europäischen Parlament.

Juni 1979 Erste Direktwahlen zum Europäischen Parlament mit Willy Brandt als Spitzenkandidat, der erklärt, für dieses Amt nur zur Verfügung zu stehen, wenn die SPD-Liste zwanzig Prozent Frauenbeteiligung aufweist - was erfüllt wird. Mit dabei: Heidemarie Wieczorek-Zeul, die sich der Außenwirtschaft widmet und dem ersten parlamentarischen Frauenausschuss, dem vom Europäischen Parlament eingesetzten ad-doc-Untersuchungsausschuss zur Situation der Frauen in der Europäischen Gemeinschaft, angehört

1981

15. bis 17. Juni 1981 Bundeskonferenz der ASF in Bonn-Bad Godesberg, „Vereinbarkeit von Beruf und Familie“; Fortsetzung der Arbeit, die Gleichstellung von Frauen im Beruf und im Bereich Familie in ein aufeinander bezogenes einheitliches, sich ergänzendes Konzept zu bringen; Wahl von Inge Wettig-Danielmeier zur ASF-Bundesvorsitzenden

1982 - 1989

1982 Die zentrale Veranstaltung der ASF zum Internationalen Frauentag findet unter dem Motto „Gewalt hat viele Gesichter“ in Essen statt, an der Podiumsdiskussion nimmt u.a. Alice Schwarzer teil.

April 1982 Anke Fuchs wird Bundesministerin für Familie und Gesundheit (bis Oktober)

Oktober 1982 Regierungsübernahme durch die CDU/CSU/FDP-Koalition

1983 Bundeskonferenz der ASF in Bonn-Bad Godesberg, „Gleichheit jetzt“; Bilanz zehn Jahre nach der ersten ASF-Bundeskonferenz: frauenpolitische Programmatik der Partei wurde weiterentwickelt und in der Gleichstellungsfrage entscheidend intensiviert

1984 Für die Europawahlen können die SPD-Frauen nicht nur erhebliche Verbesserungen bei den Listenaufstellungen verbuchen - 25 Prozent der sozialdemokratischen Europa-Abgeordneten sind jetzt Frauen. Sie können auch erreichen, dass zum ersten Mal eine Frau, Katharina Focke, Spitzenkandidatin wird.

1984 Gründung des Marie-Schlei-Vereins zum Gedenken an die verstorbene ehemalige Bundesministerin für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung; Vorsitzende ist seitdem Christa Randzio-Plath, seit 1989 Europaabgeordnete

4. bis 6. Oktober 1985 Bundeskonferenz der ASF in Hannover, „Schwestern zur Sonne zur Gleichheit“; die Bundeskonferenz verlangt die paritätische Besetzung aller Funktionen und Mandate der SPD und ihre Absicherung durch eine 40-Prozent-Mindestabsicherung für Frauen und Männer; weitere Themen: „Zukunft der Arbeit: Anders leben, anders arbeiten, Neue Wege – alte Ziele. Überlegungen zur Umsetzung der Gleichstellung von Frauen und Männern. Kinder um jeden Preis? – Die Antwort der Frauen.“

8. März 1986 Zur 75. Wiederkehr des Internationalen Frauentages führt die ASF eine Großveranstaltung in Wiesbaden unter dem Motto „Die Zukunft ist weiblich“ durch.

1986 Der SPD-Bundesparteitag in Nürnberg stimmt der Mindestabsicherung im Grundsatz zu und erteilt den Auftrag zu einem Satzungsvorschlag

16. bis 18. Oktober 1987 Bundeskonferenz der ASF in Mannheim, „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden“

1987 Anke Fuchs wird erste Bundesgeschäftsführerin der SPD

1988 Der Bundesparteitag der SPD in Münster fasst den sogenannten Quotenbeschluss, d.h. die Mindestabsicherung von Männern und Frauen in Funktionen und Mandaten der Partei zu 40 Prozent als Satzungsverpflichtung (befristet bis Ende 2013); mit Herta Däubler-Gmelin wird erstmals eine Frau zur stellvertretenden SPD-Vorsitzenden gewählt

Dezember 1989 Das Berliner Grundsatzprogramm der SPD wird beschlossen, es enthält aus gleichstellungspolitischer Sicht den von Inge Wettig-Danielmeier eingebrachten Kernsatz „Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden“

1990 - 1999

Februar 1990 Gründung der ASF in der DDR, Vorsitzende ist Eva Kunz

März 1990 Bundeskonferenz der ASF in Essen, „Das Ende der Herrenjahre. Frauen und Wirtschaft.“

Juni 1990 Zusammenschluss der ASF der DDR und der Bundesrepublik, beide Vorstände werden zusammengelegt

2. Dezember 1990 Erste gesamtdeutsche Bundestagswahl, die SPD erringt 239 Mandate, der Frauenanteil in der SPD-Fraktion beträgt 27,2 Prozent

1991 Inge Wettig-Danielmeier wird als erste Frau Schatzmeisterin der SPD

Juni 1991 ASF-Fachtagung „Die eigenständige soziale Sicherung der Frau“ in Bonn

Oktober 1991 „Lose Frauen..., verrückte Lesben...“ – ASF-Fachkonferenz „Alternative Lebensformen / ASF-Lesbenpolitik“ in Berlin

31. Dezember 1991 Der SPD gehören erstmals über 250.000 weibliche Mitglieder an.

Juni 1992 ASF-Bundeskonferenz in Berlin, „Frau Macht Zukunft“; Wahl von Karin Junker zur ASF-Bundesvorsitzenden

25./26. Juni 1992 Der Deutsche Bundestag beschließt parteiübergreifend das Schwangeren- und Familienhilfegesetz; wesentlicher Inhalt: Schutz des werdenden Lebens bei Anwendung des Prinzips Hilfe statt Strafe, Straffreiheit für den Schwangerschaftsabbruch innerhalb der ersten 12 Wochen verbunden mit einer obligatorischen Beratung; in diesem Zusammenhang wird auch der Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für Kinder ab 3 Jahren verankert; Verhandlungsführerin der SPD-Bundestagsfraktion ist Inge Wettig-Danielmeier

1991 bis 1993 Diskussion um eine neue Verfassung zur Gestaltung der Deutschen Einheit in der Gemeinsamen Verfassungskommission von Bundestag und Bundesrat, begleitet von breiten gesellschaftlichen Debatten, u.a. zur Frage der Gleichberechtigung von Frauen und Männern

März 1993 ASF-Veranstaltung „Kinder, Kurse, Karriere: eine Arbeitsmarktkonferenz nicht nur für Frauen aus Ostdeutschland“ in Halle / Saale; anschließend Festveranstaltung zum Internationalen Frauentag

19. Mai 1993 Heide Simonis wird als erste Frau Ministerpräsidentin des Landes Schleswig-Holstein

28. Mai 1993 Das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes erklärt das Schwangeren- und Familienhilfegesetz, das am 26.6.1992 beschlossen wurde, für teilweise verfassungswidrig.

April 1994 Erneute Reform des Namensrechts. Das Familiennamensrecht wird novelliert. Ehepaare können von jetzt an frei über den gemeinsamen Familiennamen entscheiden, jeder Partner kann seinen Geburtsnamen behalten.
3. bis 5. Juni 1994 ASF-Bundeskonferenz in Nürnberg „Wechsel-Jahr 1994: Frauen wählen Selbstbestimmung“

Juli 1994 Aufhebung des Nachtarbeitsverbotes für Arbeiterinnen

September 1994 Jutta Limbach wird als erste Frau Präsidentin des Bundesverfassungsgerichtes, sie bleibt in dieser Funktion bis zum Jahr 2002.

27. Oktober 1994 Ergänzung des Grundgesetzes, Artikel 3, Absatz 2, Satz 2 („Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“) mit dem Ziel, der faktischen Gleichberechtigung zu einer stärkeren Durchsetzung zu verhelfen

1995 Die Aktivitäten der ASF zum Internationalen Frauentag im Vorfeld der Weltfrauenkonferenz stehen unter dem Motto „Frauen sind die Lösung, nicht das Problem!“

29. Juni 1995 2. und 3. Lesung zum Schwangeren- und Familienhilfeänderungsgesetz im Bundestag, um den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichtes zu folgen. Der Bundestag stimmt dem Kompromiss mit den Stimmen der CDU/CSU, SPD und FDP zu. Es bleibt bei der Straffreiheit mit Beratungspflicht in den ersten zwölf Wochen.

1995 4. Weltfrauenkonferenz in Peking, Aktionsplattform „Gleichberechtigung Entwicklung Frieden“ verpflichtet u.a. die Bundesregierung, Gender Mainstreaming als Strategie und Methode zur Verbesserung der Gleichstellung von Frauen und Männern einzuführen

22./23. September 1995 ASF-Konferenz „Stadtplanung in Frauenhand: Frauen planen ihre Stadt“ im Deutschen Architektur Zentrum, Berlin

14. bis 16. Juni 1996 ASF-Bundeskonferenz in Rostock, „Sobald die Frauen uns gleichgestellt sind, sind sie uns überlegen“ (Cato d.Ä.)

September 1997 Gesetz zur Reform des Kindschaftsrechtes wird verabschiedet. Es stärkt die Elternverantwortung und verbesserte die Rechtstellung der Kinder, insbesondere der nichtehelichen Kinder; gemeinsames Sorgerecht bei unverheirateten Eltern und bei Eltern nach Scheidung möglich

12./13. Dezember 1997 „Vom Frauenwahlrecht zur Quotierung : Frauenbewegung und Sozialdemokratie“; Workshop der Historischen Kommission und der ASF in Bonn

5. bis 7. Juni 1998 ASF-Bundeskonferenz in Münster, „25 Jahre ASF - Wir haben die richtigen Frauen“

27. September 1998 Bei der Bundestagswahl erringt die SPD 298 Mandate; der Frauenanteil in der SPD-Fraktion beträgt 35,2 Prozent, im Deutschen Bundestag insgesamt liegt der Frauenanteil bei 30,9 Prozent. Nach der Bundestagswahl erfolgt der Regierungswechsel zu einer SPD-geführten Bundesregierung. Es erfolgt ein neuer Aufbruch für die Frauenpolitik. Der Bundesregierung gehören mit Christine Bergmann, Edelgard Bulmahn, Andrea Fischer (bis 2001), Herta Däubler-Gmelin, Heidemarie Wieczorek-Zeul so viele weibliche Mitglieder an wie noch nie. Inzwischen hat sich die Zahl durch den Eintritt von Ulla Schmidt und Renate Künast (seit 2001) in das Kabinett auf sechs erhöht. Hinzu kommen die parlamentarischen Staatssekretärinnen Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Dr. Barbara Hendricks, Ulrike Mascher, Angelika Mertens (seit 2000), Dr. Edith Niehuis, Gudrun Schaich-Walch (seit 2001), Brigitte Schulte (alle SPD), Gila Altmann, Dr. Ursula Eid, Simone Probst, Margareta Wolf (alle Bündnis 90 / Die Grünen).

1. Mai 1999 Inkrafttreten des Amsterdamer Vertrages der Europäischen Union, er verpflichtet u.a. alle Mitgliedstaaten, Gender Mainstreaming einzuführen, verbietet Diskriminierung wegen des Geschlechts, der Rasse, der ethnischen Herkunft, der Religion oder der Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Ausrichtung

28. November 1999 Gemeinsamer Kongress „Zukunft der Sozialdemokratie“ der AfA, der ASF und der Jusos in der SPD in Berlin

2000 - 2009

19. bis 21. Mai 2000 ASF-Bundeskonferenz in Potsdam, „Jahrhundertreformen im Jahrhundert der Frau“

2. Januar 2001 Auf Grund einer Änderung des Grundgesetzes wird als Konsequenz eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) für Frauen der freiwillige Dienst mit der Waffe in der Bundeswehr eingeführt.

2001 Durch die Reform der Alterssicherung erfolgt der Einstieg in die eigenständige Alterssicherung von Frauen; Kindererziehungsleistungen werden stärker berücksichtigt, die Möglichkeit eines Rentensplittings trägt der neuen Partnerschaft in der Ehe Rechnung.

Oktober 2001 Anlässlich des 65. Geburtstages von Inge Wettig-Danielmeier erscheint eine umfangreiche Festschrift „Frau Macht Zukunft“, herausgegeben von Helga Grebing und Karin Junker

21. bis 23. Juni 2002 ASF-Bundeskonferenz Dortmund, „Die ASF – Bündnis für Frauen“

1. Juni 2003 Gründung der AsF München Ost

2010 -

19. März 2011 100. Internationaler Frauentag - Initiiert wurde er von Clara Zetkin, die bereits 1910 auf der II. Internationalen sozialistischen Frauenkonferenz in Kopenhagen den Antrag stellte, weltweit einen Frauentag durchzuführen. Unter der Losung „Heraus mit dem Frauenwahlrecht" gingen am ersten Internationalen Frauentag am 19. März 1911 mehr als eine Million Frauen auf die Straße und forderten soziale und politische Gleichberechtigung. Erst ab 1920 wurde der Internationale Frauentag am 8. März begangen.

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